Tattoomodels – vom Tabu zum Trend

Früher noch ein Tabu in der Modelszene, gibt es heute Models, die aufgrund ihrer Tattoos gebucht werden und durch ihr auffälliges Auftreten grosse Bekanntheit erlangen. Eine der bekanntesten Persönlichkeiten, die sich mit Hilfe ihrer Tattoos einen Namen gemacht hat, ist der Kanadier Rick Genest. Die meisten werden ihn aber vor allem unter seinem Künstlernamen «Zombie Boy» kennen.

Die lebende Leiche

Der Kanadier liess sich mit Hilfe von Tattooeiner lebenden Leiche verwandeln. Bild: Pinterest

Rick Genest, der auch als Schauspieler, Künstler und Musiker seine Karriere gestaltete, war bis zu seinem Tod am 1. August 2018 ein fester Bestandteil der Modewelt. So modelte er im Januar 2011 für die Herbst-/Winterkollektion für Herren des französischen Modedesigners Thierry Mugler. Auch für die Fashionshow der Damenkollektion Thierry Muglers wurde Genest engagiert, um als Model an der Seite von Lady Gaga auf den Laufsteg zu treten. Diese geschäftliche Beziehung zog sich weiter, als Zombie Boy in Lady Gagas Musikvideo für «Born This Way» zu sehen war. Viele weitere internationale Jobs folgten und das Model wurde zur Sensation. Umso tragischer war die Nachricht des Todes des fast 33-Jährigen, welche die Modewelt am 1. August 2018 erreichte. Er bleibt auch nach seinem Tod ein Vorbild für Tattoomodels aus aller Welt und hat gezeigt, dass die Körperkunst nicht aus der Modewelt gestrichen werden sollte, sondern der Charakter erkannt werden muss.

Der modelnde Justizvollzugsbeamte
Dank Vorreitern wie Rick Genest ist weltweit die Aufmerksamkeit für Tattoomodels gestiegen, so auch in der Schweiz. Ich habe mich mit Gregorio Boiano unterhalten, der vor allem als Model für Jobs gebucht wird, wo seine Tattoos und sein Bart im Vordergrund stehen. Der Zürcher ist hauptberuflich Justizvollzugsbeamter in einem Gefängnis und modelt nebenbei.

Bild: Instagram/Gregorio Boiano

Sein erstes Tattoo, den Kopf von Lightnin’ Hopkins am linken Arm, hat er sich vor knapp 10 Jahren stechen lassen. Seither sind immer mehr Tattoos dazugekommen, die der 52-Jährige stolz auf seinem Instagram-Profil präsentiert. Über das soziale Netzwerk kommt er zu seinen Aufträgen, indem interessierte Fotografen, Designer oder Unternehmen ihn für Ihre Projekte anfragen. Eine dieser Anfragen kam von dem deutschen Modedesigner Philipp Plein für eine Modeschau in Mailand.

Bei einer Modelagentur ist der Zürcher nicht unter Vertrag, er managet seinen Nebenjob allein über Instagram. Es gibt zwar Modelagenturen, die ausschliesslich tätowierte Models unter Vertrag haben, wie mir Boiano erzählt, es ist allerdings eher eine Seltenheit. «Ich denke, heute ist es eh eine Ausnahme, wenn du mal jemanden triffst, der keine Tattoos hat», so das Tattoomodel. Er sieht deshalb die Notwendigkeit einer spezialisierten Modelagentur nicht. Als tätowiertes Model habe man es heute auch nicht mehr schwer, in einer gewöhnliche Modelagentur unter Vertrag genommen zu werden, wie mir Gregorio Boiano im Gespräch erzählt. Tätowierungen sind in der heutigen Zeit von der Gesellschaft akzeptiert und so ist es auch als Model kein Hindernis, wenn man mit dem Trend mitgeht. Stärker tätowierte Models können genauso in der Branche ihren Platz finden, werden jedoch eher für Aufträge gebucht, zu denen die Körperkunst passt. So oder so sei es aber schwierig, in der Modelbranche Fuss zu fassen, so Boiano.

Bild: Instagram/Gregorio Boiano

Gregorio Boiano sieht klare Nachteile des Trends. Immer mehr junge Leute tätowieren sich an Stellen wie an den Händen oder auch am Hals in sehr jungen Jahren, weil Tätowierungen stark im Trend liegen. Diese Entwicklung sieht der 52-Jährige kritisch.

Boiano achtet bei der Wahl seiner Tattoos stets darauf, dass diese nicht zu sehen sind, wenn er ein Hemd trägt. Dies hat ebenfalls mit der Geschäftswelt zu tun, wie er mir im Gespräch erklärt. «Ich bin nicht selbstständig. Und solange ich auf einen Arbeitgeber angewiesen bin, muss ich akzeptieren, dass es eben Leute gibt, die keine Freude an Tattoos haben», so das Model.

Alles in allem kann man wohl sagen, dass sich ein Tattoomodel nicht sehr stark von einem gewöhnlichen kommerziellen Model unterscheidet. Tattoos fügen sich vermehrt in das heutige Gesellschaftsbild ein und gehören mittlerweile zum Alltag der meisten Menschen.