Was, wenn ein Tattoo nicht mehr gefällt?

Prinzipiell geht man immer davon aus, dass man ein Tattoo für sein Leben lang auf der Haut tragen wird. Was ist aber, wenn die Tätowierung irgendwann nicht mehr dem eigenen Geschmack entspricht? Im Gespräch mit Dr. med. Kurt Balmer-Jacobson, Allgemeinmediziner und Betreiber von Tattooweg Ostschweiz, haben sich viele meiner Fragen beantwortet. Wie einfach und doch komplex die Tattooentfernung heute funktioniert und welche Risiken diese Behandlung mit sich bringen kann, erfährst du in diesem Beitrag.

Wie Dr. Kurt Balmer mir erzählt, gibt es verschiedene Gründe, warum tätowierte Menschen seine Praxis aufsuchen. Einer der Hauptgründe ist, wenn die Qualität der Tätowierung nachlässt. Dies äussert sich durch Verblassen der Farbe, dass die Konturen nicht mehr scharf zu sehen sind oder dass es verschmiert. Viele Tattoos werden als Erinnerungen an bestimmte Lebensabschnitte oder Ereignisse gestochen, die nach einer gewissen Zeit nicht mehr aktuell sind oder an die sich die Patientin oder der Patient lieber nicht mehr erinnern will. 

Technologie
Beim Laservorgang werden durch das Eindringen des Lasers in die Haut die Farbpigmente der Tätowierung zerschossen und in kleinste Partikel zerbröselt. Diese Partikel werden durch die Fresszellen der Haut, sogenannte Makrophagen, vernichtet und abtransportiert. In den vier bis sechs Wochen nach der Laserbehandlung findet dieser Vorgang statt, bevor die nächste Sitzung durchgeführt wird, um weitere verbliebene Pigmente zu zerschiessen. 

Doch warum werden die Farbpigmente nicht auch durch diese Makrophagen entfernt? Die Antwort darauf ist ganz simpel. Der Tätowierer verwendet Farbe, deren Pigmente so gross sind, dass die Fresszellen diese nicht vernichten können. So bleibt die Farbe möglichst lange in der Haut.

Arten von Tätowierungen
Nicht nur Tattoos, als welche sie ein Grossteil der Gesellschaft kennt, werden in der Praxis von Dr. Kurt Balmer mit dem Laser behandelt. So werden auch kosmetische, traumatische und chirurgische Tätowierungen gelasert. Die bekannteste dieser Formen ist wahrscheinlich die kosmetische Tätowierung. Als solche wird permanentes Make Up bezeichnet, bei dem zum Beispiel die Augenbrauen tätowiert werden. Unter traumatischen Tätowierungen werden Schmutzpartikel in der Haut bezeichnet, die zum Beispiel durch einen Motorradunfall entstanden sein können, nachdem der Patient über die Strasse geschlittert ist. Auch diese Schmutzpartikel werden mit der Lasertechnologie zerbröselt und durch die Fresszellen vernichtet. In verschiedenen Kulturen werden diverse Techniken zum Tätowieren angewendet, welche als chirurgische Tätowierungen bezeichnet werden. Zum Beispiel wird in Grönland eine farbige Schnur unter der Haut durchgezogen. In anderen Teilen der Welt wird das gewünschte Motiv in die Haut geritzt. Über die entstandenen Wunden wird dann die Farbe gestrichen. In der Schweiz wird diese Form der Tätowierungen aber nicht praktiziert. Patienten, die mit chirurgischen oder traumatischen Tätowierungen zu Dr. Balmer in die Praxis kommen, gab es aber dennoch.

Kosten
Bei einer Laserbehandlung muss mit hohen Kosten gerechnet werden. Laut Dr. Kurt Balmer gibt es bei ihm für die Preisberechnung eine Faustregel: Die Entfernung kostet ca. das 10- bis 15-fache davon, was für das Stechen des Tattoos bezahlt wurde. Das bedeutet also, dass pro Lasersitzung erneut die Kosten des Tattoos aufgebracht werden müssen. Bei einem Tattoo, wofür man CHF 250.- bezahlt hat, muss also für die Entfernung mit Kosten von CHF 2’500.– bis CHF 3’750.– gerechnet werden. Unter Berücksichtigung der vier bis sechs Wochen, die jeweils zwischen zwei Laserbehandlungen liegen müssen, dauert eine Tattooentfernung ca. 1.5 Jahre. 

Die hohen Preise kommen unter anderem aufgrund der teuren Anschaffung der Laser zustande, wie mir Dr. Balmer erklärt. Die Preisspanne für einen hochwertigen Laser fängt bei ungefähr CHF 150’000.– an und ist nach oben offen.

Schwierigkeiten bei der Tattooentfernung
Die Entfernung von Tattoos hat sich in den letzten Jahren durch den Fortschritt der Technik bereits massiv vereinfacht. Dennoch gibt es Tätowierungen, die nach wie vor bei der Entfernung Schwierigkeiten bereiten. Da kommt es nicht auf das Motiv oder die Grösse des Tattoos an, wie Dr. Balmer erzählt. Am schwierigsten zu entfernen seien die Farben Gelb und Weiss. Erst einmal in all den Jahren, in denen Dr. Kurt Balmer Tattoos entfernt, ist es so weit gekommen, dass er einer Patientin nicht mehr weiterhelfen konnte. Nach 15 bezahlten Sitzungen hat Dr. Kult Balmer noch einige Lasersitzungen mit ihr praktiziert, ohne dafür Geld zu verlangen, da er dies nur als fair angesehen hatte. Da aber nach wie vor kein massiver Erfolg zu sehen war, hat er sie an eine Praxis weitervermittelt, die eine noch bessere Lasermaschine besitzt.

Die Laserbehandlung wird jeweils dem Hauttyp entsprechend angepasst. Bei einem dunkleren Hauttypen wird viel weniger Energie mit dem Laser transportiert, da dunkle Haut auf die Strahlung des Lasers empfindlicher reagieren. Es werden durch die Laserbehandlung bei dunkler Haut auch eigene Hautzellen zerstört, die nur langsam wieder regeneriert werden können. So ist die Behandlung mit dem Laser bei dunkelhäutigen Menschen auch im Sommer danach noch gut sichtbar, da sich die Haut davon noch nicht vollständig erholt hat. Während bei eher hellen Hauttypen die Spuren der Behandlung nicht mehr sichtbar sein werden.

Im Sommer werden keine Laserbehandlungen durchgeführt, da mindestens zehn Tage nach der Behandlung auf direkte Sonneneinstrahlung verzichtet werden muss. Die Haut wird bereits durch den Laser strapaziert und muss nach der Behandlung gut gepflegt werden. Da würde eine direkte Sonneneinstrahlung, die im Sommer kaum zu vermeiden ist, zu einer Überstrapazierung führen. 

Risiken des Laservorgangs
Prinzipiell gäbe es keine Risiken beim Lasern eines Tattoos, so Dr. Kurt Balmer. Lediglich wenn zu viel Energie aufgebracht wird, kann es zu Verbrennungen auf der Haut kommen. Schwangere Frauen werden für die Laserbehandlung nicht zugelassen. Allerdings sieht Dr. Kurt Balmer kein Risiko des Lasers für die schwangere Frau oder das ungeborene Kind. Es ist lediglich eine Absicherung für ihn und die Praxis. 

Körperstellen, die in der Praxis von Dr. Balmer nicht gelasert werden, sind lediglich die Augenlider. Um Behandlungen am Auge durchführen zu können, bräuchte es bestimmte Augeneinsätze, die Dr. Kurt Balmer in seiner Praxis in Appenzell nicht führt. Augenbrauen lasert er aber regelmässig. Ansonsten schliesst er keine Körperstelle für die Behandlungen aus. Mit einem Schmunzeln erzählt er mir, dass Menschen bei der Wahl der Körperstelle für ihre Tattoos wohl sehr kreativ werden.

Ich hoffe natürlich, dass mir meine Tattoos auch in dreissig oder vierzig Jahren noch gefallen werden. Trotzdem ist es aber sehr interessant zu sehen, welche Möglichkeiten die heutige Technologie bietet.