Wie alles begann

Bereits in der Zeit der alten Ägypter oder der Antike waren Körperdekorationen wie Tätowierungen, Piercings und Vernarbungen ein Werkzeug, um sich von der Masse abzuheben oder Gesellschaftsgruppen voneinander unterscheiden zu können. Bis heute hat sich der Zweck grob betrachtet nicht verändert. Tätowierungen werden gestochen, um ein Körperbild zu verändern und Identität auszudrücken. Woher kommt aber die Tätowierung eigentlich? Wer hat das Tattoo erfunden? Und wie ist es zu dem geworden, was wir heute als Tattoo kennen?

Der Ursprung von Tätowierungen
Verschiedenen Quellen zufolge ist der älteste bekannte Mensch, auf dessen Haut Tätowierungen gefunden wurden, die Gletschermumie Ötzi (3300 v. Chr.). Auf seinem Körper waren 61 Tätowierungen zu sehen. Die Stellen, an denen Ötzi tätowiert war, wurden später als Akupunkturpunkte der chinesischen Medizin identifiziert.

Auch Mumien aus dem alten Ägypten wiesen diverse Tätowierungen auf. Spannend ist, dass lediglich weibliche Mumien mit Tätowierungen gefunden wurden. Zum einen könnte diese Dekoration auf der Haut den gesellschaftlichen Status einer Frau definiert haben oder aber als therapeutische Methode zur Linderung körperlicher Schmerzen angewendet worden sein. Denn ähnlich wie beim Ötzi wurden auch bei den Ägypterinnen die meisten Tätowierungen an der Wirbelsäule, dem Unterbauch, den Oberschenkeln und der Brust gefunden. Weitere tätowierte Mumien wurden verteilt auf der ganzen Welt gefunden: Sibirien, Mongolei, Westchina, Ägypten, Sudan, Grönland, Alaska, den Philippinen und den Anden.

Die Griechen machten sich Tätowierungen nach dem Vorbild der Perser zunutze, die den Körperschmuck damals stets mit Barbaren in Verbindung brachten. So wurden Sklaven und Kriminelle gekennzeichnet, damit sie bei Fluchtversuchen einfacher zu identifizieren waren. In Folge nahmen sich auch die Römer ein Vorbild an dieser Taktik.

Auch die Stämme Südamerikas betrieben eine ganz eigene Art der Körperveränderung. Bei Verletzungen wurde Pflanzensaft in die Wunden gerieben, wodurch die Blutung gestoppt werden sollte. Durch den Saft verfärbte sich die Narbe und es entstand eine Dekoration, die mit einem Tattoo verglichen werden kann. Afrikanische Völker machten sich ebenfalls die Narbe zum Mittel der Körperveränderung. Es wurde eine schwarze Substanz unter die Haut gebracht, damit eine erhöhte Narbe entsteht. Nordamerikanische Krieger hingegen rieben sich Erde in ihre Wunden, um die Narben als eine Art Schlachttrophäe zur Schau zu stellen.

Das 20. Jahrhundert
Im frühen 20. Jahrhundert waren es überwiegend Matrosen und Zirkusartisten, die den heute so modernen Körperkult lebten. Die Motive auf der Haut erzählten die Geschichte eines Menschen. So war es üblich, dass Matrosen zum Beispiel einen Anker unter ihrer Haut trugen. Sie erfüllten damals auch noch praktische Zwecke. Bei über Bord gegangenen Matrosen wurden die Tätowierungen zur Identifikation genutzt. Die Tattoos wurden an verschiedenen Häfen gemacht. Sie symbolisierten erreichte Reiseziele des Matrosen: Eine Schildkröte stand für das Überqueren des Äquators, während eine Reise von 5’000 Meilen von einer Schwalbe symbolisiert wurde.

Das heute ebenfalls sehr beliebte kosmetische Tattoo, auch als permanentes Make-up bekannt, hat seinen Ursprung bereits in den 20er-Jahren. Dazu gehörte vor allem das Tätowieren von Augenbrauen und Lipliner. Traditionelle Tätowierungen galten nach wie vor den sogenannten «Ausgestossenen» wie Matrosen, Kriminellen, und Zirkusartisten. Aufgrund dessen hielten die meisten Frauen ihre kosmetischen Tattoos geheim, um nicht aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden.

In den 40er-Jahren entstand der von Norman Keith Collins kreierte «Sailor Jerry»-Stil, bei welchem erstmals Farbe zu den Tätowierungen hinzugefügt wurde. Die Motive waren zu dieser Zeit hauptsächlich nautischen oder militärischen Ursprungs. Auch patriotische Tätowierungen stiessen auf mehr Anklang. Diese Veränderung im Design der Tattoos führte zu einer höheren Akzeptanz in der Gesellschaft. Die meisten «Sailor Jerry»-Tattoos sind zeitlos und auch heute noch beliebte Motive.

Nach dem kurzen Aufschwung des Tattoos sank das Ansehen von Tattoos in den 50er-Jahren wieder. Erneut galten Tätowierungen als Zeichen von Kriminalität. Auch in den 60er-Jahren befreite sich das Bild der Tätowierungen in der Gesellschaft nicht von der Negativität. In New York wurden Tattoostudios für den Anstieg der Hepatitiserkrankungen verantwortlich gemacht.

Erst in den 70er-Jahren erholte sich das Image von den Unterstellungen und wurde immer mehr zum Mainstream. Die Hippiebewegung machte sich bemerkbar, denn immer mehr Menschen wollten sich Friedenssymbole tätowieren lassen. Die etwas komplizierter und detaillierter gestalteten Motive erlebten einen Aufschwung.

Mit den 80er-Jahren kam auch die ersehnte gesellschaftliche Akzeptanz für Tattoos. Die Musikszene verlieh den Tätowierungen einen erneuten Aufschwung, bei dem nun auch viele «normale» Menschen dem Trend folgten. Auch in den Neunzigern spielten die prominenten Vorbilder in der Tattooszene eine grosse Rolle. Zu den beliebtesten Designs der 90er-Jahre gehörten Pamela Andersons Stacheldrahtarmband, aber auch Tribals, chinesische Buchstaben sowie Motive der Sonne lagen im Trend.

Die Geschichte der Tätowierungen ist noch lange nicht vorbei. Tattoos sind aktuell so beliebt wie noch nie. Das dürfte sich in naher Zukunft auch nicht ändern. Wir können also gespannt sein, welche Motive und Stile in den nächsten Jahren unter der Haut der Gesellschaft entstehen.

Random Facts
Den Weltrekord für die meisten Tattoos hält der Neuseeländer Gregory Paul McLaren, der zu 100% mit Tätowierungen bedeckt ist. Besser bekannt ist der Künstler unter seinem Künstlernamen «Lucky Diamond Rich».

Ein Fünftel der US-Amerikaner hat mindestens ein Tattoo.

Mit einer Tattoomaschine werden Nadelgruppierungen mit 50 bis 3000 Stössen pro Minute in die Haut gestochen.

40% der Frauen bringen jemanden zum Tätowiertermin mit, um das Erlebnis mit einem geliebten Menschen zu teilen.

Tattoofarben wurden früher aus diversen Stoffen hergestellt. Eines der ältesten bekannten Rezepte stammt aus Ägypten. Es wurden Kiefernrinde, korrodierte Bronze, Essig, Vitriol, Lauchsaft und Insekteneier zu einer Farbe angemischt.

Im Iran, in der Türkei und in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind Tätowierungen verboten.

Quellen: thefactsite.com; tattoodo.com; mytattoo.com; mcgill.ca; authoritytattoo.com; customhousetattoo.com; wellcomecollection.org; historyoftattoos.net