Gesundheitliches Risiko durch Tätowierungen

Jede fünfte in der Schweiz lebende Person ist tätowiert. Auch ich habe letzten Herbst bereits zum dritten Mal beim Tätowierer gesessen. Welche Risiken Tätowierungen haben können, habe ich mir noch nie überlegt. Schliesslich pflege ich die Wunden nach der Prozedur sorgfältig. Doch, birgt vielleicht die Farbe ein Risiko? Sind Tätowierungen schlecht für die Gesundheit? 

Dieser Frage gehe ich in diesem Beitrag nach. Dafür habe ich Dr. med. Kurt Balmer-Jacobson, Allgemeinmediziner und Inhaber von «Tattooweg Ostschweiz» nach seiner Einschätzung zum medizinischen Risiko gefragt. Um weitere Meinungen zu sammeln, habe ich etwas im Internet recherchiert und spannende Fakten gefunden.

Arsen und Nickel in der Farbe?
Man unterscheidet bei Tattoofarbe zwischen organischen und anorganischen Pigmenten. Organische Pigmente, sogenannte Azofarbstoffe, sind bunte Pigmente, die meist aus der chemischen Grossindustrie stammen und nicht eigens für Tattoos hergestellt sind. Die eigentliche Verwendung dieser Farbstoffe liegt in der Automobilindustrie, wo die Farbe für Autolacke produziert wird. Ausserdem kommt sie in Druckerpatronen zum Einsatz. Anorganische Pigmente sind schwarz und weiss. Das Weiss ist Titandioxid. Die schwarze Farbe wird meist aus Eisenoxiden oder Russ hergestellt.

Tattootinte ist ein Gemisch aus Pigmenten, also Farbpartikeln, und einer sogenannten Trägerflüssigkeit. Zu dieser Mischung werden Verdickungsmittel und Konservierungsstoffe sowie weitere, meist unbekannte Stoffe zugefügt. Wiederholt wurden gefährliche und schädliche Stoffe in den Farben gefunden, die unter die Haut der Menschen gebracht wird. Einige dieser Substanzen sind zum Beispiel Arsen, Nickel und Kobalt. In einigen Tattoofarben wurden sogar krebsauslösende Stoffe festgestellt, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass Krebs im Körper entsteht. Es fehlen bisher aussagekräftige Studien, ob die Farben erbgutverändernde, krebserzeugende, fruchtbarkeitsschädigende oder anderweitig gesundheitsschädliche Wirkungen aufweisen.

Es gibt Tattoofarben, die allergische Reaktionen aufgrund der Inhaltsstoffe auslösen können. So leiden Menschen mit einer Nickelallergie oft an Komplikationen nach dem Tätowieren, da Nickel ein häufiger Bestandteil der Farbe ist. Häufig werden allergische Reaktionen bei roten Tattoos festgestellt aufgrund der auffälligen Inhaltsstoffe. Schwarze Tinte, die vor allem aus Russ hergestellten Farbstoff enthalten, enthält oft krebserregende aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). 

Zu tief?
Für gewöhnlich werden Tattoos ca. 3 – 5mm tief in die Haut gestochen. Gelangt die Farbe in tiefere Hautschichten besteht das Risiko, dass die Pigmente wandern und sich in den Lymphknoten und in der Leber anreichern. Somit wird das Risiko, das die Farben an sich bereits mit sich bringen, erhöht, weil die schädlichen Stoffe sich im Körperkreislauf befinden. 

Prüfung der Farben
Anders als herkömmliche Kosmetika wie Hautcremen unterliegen Tattoofarben keiner strengen Aufsicht bezüglich der Inhaltsstoffe. Es existiert eine Liste mit Stoffen, die nicht in den Farben verarbeitet werden darf. In anderen gesundheitsrelevanten Bereichen ist es üblich, dass es eine Auflistung der Inhaltsstoffe gibt, welche ausschliesslich im Produkt verwendet werden dürfen. 

Wann ist Vorsicht geboten?
Aufgrund des Infektionsrisikos wird Schwangeren von einem Tattoo abgeraten. Auch bei Patienten, die Antibiotika oder immunschwächende Medikamente einnehmen, ist Vorsicht geboten. Herzerkrankungen, Diabetes oder Blutgerinnungsstörungen sind ebenfalls kritisch und stellen eine Problematik beim Tätowieren dar. Wer eine empfindliche Haut hat und zu Allergien, Ekzemen oder offenen Wunden neigt, sollte sich beim Gedanken an ein Tattoo der Risiken ebenfalls bewusst sein. 

Medizinische Einschätzung von Dr. med. Kurt Balmer-Jacobson
Unter den heutigen Hygienestandards und wenn seriöse Farben Verwendung finden, vermutet Dr. med. Kurt Balmer-Jacobson kein Risiko. Wenn die Hygiene nicht eingehalten wird, kann es schlimmstenfalls zu einer Entzündung der Haut kommen, die aber nach ein paar Tagen wieder verschwindet. Er selber hatte bisher keine Patienten, die aufgrund von Komplikationen nach dem Tätowieren eine Behandlung brauchten.

Natürlich gibt es bei unseriöser Praxis des Tätowierers gesundheitliche Risiken, die man sich bewusst sein muss. Schliesslich werden Farbpigmente unter die Haut gestochen, die dann für immer im Körper bleiben. Es ist nach wie vor Vorsicht geboten und es ist ratsam, vor dem Stechen eines Tattoos den Tätowierer nach den Inhaltsstoffen der Farbe zu fragen und somit jegliche Risiken zu minimieren. Bei genügend anschliessender Pflege steht einem schönen Tattoo nichts mehr im Weg. 

Quellen:
quarks.de, verbraucherzentrale.de, hautarztpraxis-mainz.de